Innerhalb von fünf Jahrzehnten führt Erwin Piscator (1893-1966) in der Weimarer Republik, an der US-Ostküste und in der Bundesrepublik etwa 130 Theater-Inszenierungen aus. Bevor er sich erstmals der Regie zuwendet, spielt er während seiner Studienjahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges selbst als Schauspieler am Münchner Hof- und Nationaltheater bei Ernst Possart. Ab 1917 tritt er in Boulevardstücken am Deutschen Theater Kortrijk auf, einer Frontbühne. Wenige Wochen nach Ende des Weltkrieges geht Piscator nach Berlin. Gemeinsam mit Wieland Herzfelde, John Heartfield, George Grosz und Walter Mehring beteiligt er sich in der "Tribüne" an einzelnen Veranstaltungen des Berliner Dada.
 
Zur Nachsaison 1919 wird Piscator an Jeßners Königsberger Kammerspielen nach Ostpreußen engagiert. Leopold Jeßner, der damals dem Königsberger Neuen Schauspielhaus vorsteht, eilt der Ruf des Brahm-Adepten und Theaterreformers voraus. Jeßner tritt für eine Ästhetik ein, die einer politischen Auffassung der Gegenwart verpflichtet ist. Piscator begleitet die Sommer-Tournee des Faust. Zur folgenden Spielzeit wird Jeßner - nachdem die Berliner Volksbühne seine Bewerbung abgelehnt hatte - zum Intendanten des Preußischen Staatstheaters am Berliner Gendarmenmarkt berufen. Piscator gründet in Königsberg eine eigene Bühne, Das Tribunal, das im Gebauhr-Saal der Stadthalle spielt.

Das Tribunal (Kammerspielbühne, Königsberg)

Schon Piscators frühe Inszenierungen erregen in der bürgerlichen Öffentlichkeit Widerspruch. Durch seine Ablehnung eines Kritikers bringt Piscator die Königsberger Presse so sehr gegen sich auf, daß eine geplante Königsberger Inszenierung von Ernst Tollers Schauspiel Die Wandlung im Stil der neuen Sachlichkeit nicht mehr möglich erscheint. Darüber hinaus kommt es zu Auseinandersetzungen Piscators mit seinen Mitarbeitern. Die letzte Aufführung von Kaisers Centaur findet - Tretjakow zufolge - vor nur noch einem Zuschauer statt. Piscator kehrt nach Berlin zurück.
 

1920

(August Strindberg, Gespenstersonate; Regie: Oskar Lucian Spaun; 10.1.1920)
Frank Wedekind, Tod und Teufel/ Heinrich Mann, Varieté (20.1.1920)
Frank Wedekind, Schloß Wetterstein (30.1.1920)
Georg Kaiser, Der Centaur (17.2.1920)



Programmheft zur Eröffnung des Proletarischen Theaters (1920)

Proletarisches Theater (Berlin)


Ein gleichnamiges Theater hatte zuvor unter der Leitung Karlheinz Martins bereits existiert. Verschiedene sozialistische Parteien, die im 'Ausschuß der revolutionären Arbeiter Groß-Berlins für Proletarisches Theater' zusammenkommen, unterstützen das Projekt. Die KPD lehnt es ab. Piscator bezeichnet das neugegründete Theater, das sich am russischen Proletkult orientiert, als 'Propagandabühne der revolutionären Arbeiter Groß-Berlins'. Bei seinen Vorstellungen in Kliems Festsälen (Hasenheide), Gesellschaftshaus Moabit, Pharussälen am Wedding, der Philharmonie oder der Schulaula Parkaue (Lichtenberg) bietet das Proletarische Theater vorrangig fantastisch-konstruierte Stoffe dar. Als Schauspieler treten in der Regel Laien ohne Gage auf. Piscator kann auf eine Besucherorganisation mit 5.000 bis 6.000 Mitgliedern verschiedener Arbeitervereinigungen zurückgreifen. Diese nehmen starkten Anteil an den Inszenierungen. Zum Aufgeben zwingt den Regisseur der Polizeipräsident, der der Bühne im April 1921 erneut die Dauerkonzession versagt.

 



Karl A. Wittfogel, Der Krüppel/ Ladislaus Sas, Vor dem Tore /
Lajos Barta, Rußlands Tag (Kliems Festsäle, Berlin-Hasenheide, Neukölln, 14.10.1920)
Maxim Gorki, Die Feinde (Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr., 12.11.1920)
Upton Sinclair, Prinz Hagen (Kliems Festsäle, 5.12.1920)

1921 Franz Jung, Wie lange noch - du Hure bürgerliche Gerechtigkeit (Kliems Festsäle, 6.2.1921)
Franz Jung, Die Kanaker (Voigt-Theater, Badstr., Wedding, 28.3.1921)



Central-Theater (Berlin)

 


Piscator gelingt es, den Besucherstamm des Proletarischen Theaters auch für sein Folgeprojekt, das Central-Theater in der Alten Jacobstraße, zu interessieren; hinzukommen Kontingente der Berliner Volksbühne. Zur Finanzierung muß Piscator sich erstmals gezielt auch an kleinbürgerliche Besucherschichten wenden. Den Schwerpunkt seines Spielplans legt er deshalb 1922/23 auf werktreue naturalistische Inszenierungen. Trotz der gewandelten Konzeption wird auch diese Bühne nach kurzer Zeit aus Finanznot an einen Theaterinvestor veräußert.


1922

Maxim Gorki, Die Kleinbürger (29.9.1922)
Romain Rolland, Die Zeit wird kommen (17.11.1922)

1923 Lew N. Tolstoj, Die Macht der Finsternis (19.1.1923)



Volksbühne Berlin
 
Die Mitarbeit an der Berliner Volksbühne wird Piscator von Fritz Holl angetragen, der keinen Regisseur für ein neues Stück von Alfons Paquet gefunden hatte. Die Zusammenarbeit gestaltet sich höchst kontrovers. Schon nach seiner aufsehenerregenden ersten Volksbühnen-Premiere setzt der sozialdemokratisch geführte Vorstand Eingriffe an Inszenierungen durch. Die Zusammenarbeit endet 1927 nach einer politisierten, ideotextuellen Aufführung von Ehm Welks Schauspiel Gewitter über Gottland im sogenannten Volksbühnen-Krach.


1924

Alfons Paquet, Fahnen (26.5.1924)
Revue Roter Rummel (Säle; 22.11.1924; im Auftrag der KPD)
Eugene O'Neill, Unter dem karibischen Mond/Alfred Brust, Südseespiel (21.12.1924)

1925

(Szenen aus dem Ebert-Prozess. Rezitation von Piscator. Pharussaal, Wedding, 11.1.1925)
Hans José Rehfisch, Wer weint um Juckenack? (1.2.1925, mit Heinrich George)
Berta Lask, Die Befreiung (Central-Theater; 8.3.1925)
Rudolf Leonhard, Segel am Horizont (14.3.1925)
(Haut den Lukas. Eine rote Revue mit Musik. Politisch-satirische Abende zur Reichspräsidentenwahl. Pharus-Säle, 20.3.1925)
(Bei Barmat auf Schwanenwerder. Ein neuer roter Rummel mit Musik. Politisch-satirische Abende zur Reichspräsidentenwahl. Pharus-Säle, 16.4.1925)
Wilhelm Schmidtbonn, Hilfe! Ein Kind ist vom Himmel gefallen! (Central-Theater; 2.5.1925)
Trotz alledem! Historische Revue (Großes Schauspielhaus;12.7.1925; zu KPD-Parteitag)
Hanns Johst, Die fröhliche Stadt (Kammerspiele München; 9.1925)

1926

Eugen Ortner, Michael Hundertpfund (Die Tribüne, Barnowsky-Bühnen; 17.1.1926)
Alfons Paquet, Sturmflut (Volksbühne, 20.2.1926; erneut für die Kammerspiele Hamburg, 26.9.1926)
Paul Zech, Das trunkene Schiff (21.5.1926)
August Strindberg, Rausch (Kammerspiele München; 7.6.1926)
Friedrich Schiller, Die Räuber (Gastregie, Preußisches Staatstheater; 11.9.1926; Wiederaufnahme Sept. 1929)
Maxim Gorki, Nachtasyl (10.11.1926)

1927

Heinrich Mann, Das gastliche Haus (Kammerspiele München; 21.1.1927)
Gerhart Hauptmann, Die Weber (Theater erwerbsloser Bühnenangehöriger; 15.2.1927)
Ehm Welk, Gewitter über Gottland (23.3.1927)

 

Programmzettel von Inszenierungen Piscators an der Volksbühne Berlin (1926)

 

 

Piscator-Bühne (Theater am Nollendorfplatz)
 
Nach der fristlosen Kündigung seines Vertrags durch die Volksbühne eröffnet Piscator mit Grundkapital von 400.000,- Mark seine erste eigene Bühne. Die finanziellen Mittel stellt der Gatte der Schauspielerin Tilla Durieux, der Brauerei-Magnat Ludwig Katzenellenbogen, zur Verfügung. Nachdem die Piscator-Bühne sich durch die zusätzliche Übernahme des Lessing-Theaters im März 1928 finanziell überhoben hat, muß Piscator aufgrund eines Konkursantrags der Steuerbehörde im Juni 1928 seine Konzession niederlegen.


Auszüge aus den antiquarisch kaum noch verfügbaren Blättern der Piscator-Bühne können im virtuellen Bücherregal von Josef Chladek (Ausgabe 1 bis 6, 8, 9 und 11) oder bei dem Betreiber dieser Website eingesehen werden.

 

 

Ernst Toller: Hoppla, wir leben! (3.9.1927; ab 15.1.1928 auf Deutschland-Tournee)
(Auftritt der Agitpropgruppe 'Die Blaue Bluse' zum Auftakt einer Gastspielreise durch Deutschland, 7.10.1927)
Alexej Tolstoj/Pawel Schtschegolew (in Bearbeitung u.a. mit Brecht), Rasputin, die Romanows, der Krieg und das Volk, das gegen sie aufstand (10.11.1927)

1928

Max Brod/Hans Reimann, Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk (bearbeitet von Piscator/Gasbarra/Lania/Brecht, 23.1.1928)
(Gastspiel der Proletarischen Versuchsbühne Prenzlauerberg, Bela Balasz: Die Mauer der Föderierten, 18.3.1928)
Leo Lania, Konjunktur (Lessing-Theater, 8.4.1928; Weills Musik)
(Jean Richard Bloch, Der letzte Kaiser, Regie: Karl-Heinz Martin, 14.4.1928)
(Marcel Achard, Marlborough zieht in den Krieg, Regie: Erwin Kalser, Theater am Nollendorfplatz, 5.5.1928)
(Joseph J. Farjeon, Nr. 17, Regie: Lotz, Lessing-Theater, 7.5.1928)
(Karl Roeßler / Roda Roda, Der Feldherrnhügel, Regie: Kramer, Theater am Nollendorfplatz, 1.6.1928)

1929

Maxwell Anderson/Laurence Stallings (Bearbeitung: Carl Zuckmayer), Rivalen (Gastregie bei V. Barnowsky am Theater in der Königgrätzer Straße, 20.3.1929)



Studio der Schauspieler der Piscator-Bühne

 

Franz Jung, Heimweh (Regie: Leonard Steckel, 8.1.1928)
Upton Sinclair, Singende Galgenvögel (Regie: Ernst Lönner, Lessing-Theater, 1.3.1928)
Erich Mühsam, Judas (Regie: Leopold Lindtberg, 6.4.1928; am 29.4.1928 von 'Notgemeinschaft' übernommen)
Otto Rombach, Der heilige Krieg (Regie: Heinrich Oberländer, 23.5.1928)



Zweite Piscator-Bühne (Theater am Nollendorfplatz)

Gegen eine Schuldsumme von 50.000,- Mark wird Piscator 1929 dank finanzieller Unterstützung durch seinen Freund Felix Weil - Begründer des Frankfurter Instituts für Sozialforschung - und des Theaterunternehmers Ludwig Klopfer als Konzessionär die Eröffnung der zweiten Piscatorbühne möglich (Startkapital: 200.000,- Mark). Das hohe politische Reizpotential des Mehring-Stückes Der Kaufmann von Berlin sowohl nach Rechts ('Vaterlandsverrat') als auch Links ('Antisemitismus') führt zu breiten Protesten. Diese bringen neben den hohen Kosten und technischen Mängeln der komplizierten Inszenierung auch die Zweite Piscatorbühne zu Fall. Während Klopfer das Theater übernimmt, setzt Piscator seine Arbeit mit einem Schauspielerkollektiv fort.

 

 

Walter Mehring, Der Kaufmann von Berlin (6.9.1929)
Friedrich Schiller, Die Räuber (Wiederaufnahme der 1926er Inszenierung, 14.9.1929)



Blätter der Piscator-Bühne (September 1927 bis Februar 1931) Blätter der Piscator-Bühne (Sept. 1927 bis Febr. 1931) samt erhaltenen Gastspielheften sowie Heften zu Piscators zwei Gastinszenierungen ("Rivalen", "Des Kaisers Kulis") in chronologischer Reihenfolge

 

Piscator-Kollektiv

1930 erzielt Piscator nach vorangegangenen Konkursen den - aufführungsstatistisch - größten Erfolg seiner Laufbahn. Zusammen mit einer kleinen Gruppe von Künstlern arbeitet er im Rahmen des sogenannten Piscator-Kollektivs weiter. Das gemeinsam innerhalb von zwei bis drei Wochen einstudierte Stück gegen den Abtreibungsparagrafen 218 von Carl Credé geht nach der Premiere in Mannheim im November 1929 bis zum März 1930 auf eine deutschlandweite Tournee (erneut von Mai bis Oktober 1930). Trotz juristischem, oftmals auch brachial gewalttätigem Widerstand aus rechtskatholischen und nationalsozialistischen Kreisen (der Thüringer Innenminister Wilhelm Frick, NSDAP, läßt Aufführungen unterbinden) wird es in der Weimarer Republik während eines Jahres über 300 Mal in Piscators Inszenierung gezeigt. Im Machtkampf um die Hegemonie innerhalb der Volksbühne, den Piscator seit 1927 mit Unterstützung der Sonderabteilungen fortgeführt hatte, unterliegt er indessen im Oktober 1930, als sich die Mehrheitsverhältnisse innerhalb der Sonderabteilungen zu seinen Ungunsten verschieben.

 
 

Carl Credé (d.i. Carl Hoerder), § 218 (Frauen in Not; Apollotheater Mannheim, 23.11.1929; Deutschland-Tournee)

1930

Carl Credé, § 218 (Wallnertheater, 3.4.1930)
(Gastspiel von Meyerholds Staatstheater Moskau mit Brülle China und Zwei Armeekommandanten, Wallnertheater, 23.-27.4.)
Theodor Plivier, Des Kaisers Kulis (Lessing-Theater; 30.8.1930)

 

Dritte Piscator-Bühne (Wallner-Theater)
 
Der Abschluß eines Filmvertrags mit der russischen Produktionsfirma Meshrabpom-Film erlaubt dem Piscator-Kollektiv zum 1. November 1930 die vorübergehende Übernahme des kleinen und völlig maroden Wallner-Theaters (mit dem Theater in der Königgrätzer Straße als zusätzlicher Spielstätte). Die Sonderabteilungen der Volksbühne rekonstituieren sich unter dem Namen "Junge Volksbühne". Piscator probt zunächst Brest-Litowsk von Hans José Rehfisch, greift jedoch nach Einsprüchen der KPD gegen die 'Verherrlichung Trotzkis' ersatzweise auf ein Stück von Friedrich Wolf zurück. Auch Mitglieder der Gruppe Junger Schauspieler sind an der Aufführung beteiligt.


 

Eröffung mit Credés § 218 am 29.10.
(Gastspiel Spielgemeinschaft Berliner Schauspieler mit Alfred Herzog, Krach um Leutnant Blumenthal, 1.11.)
(Ernst Ottwalt, Jeden Tag vier; Regie: Friedrich Neubauer, 19.11.1930)
(Gastspiel Spielgemeinschaft Berliner Schauspieler mit Oskar Bendiener, Die Tat, 25.11.1930)
(Wladimir N. Bill-Bjelozerkowski, Mond von links; Regie: Martin Kerb, 28.11.1930)

1931

Friedrich Wolf, Tai Yang erwacht (15.1.1931)
(Anatol Glebow, Frau in Front, 17.2./22.3.1931)

 

Im Juni 1929 nimmt die sowjetische Filmgesellschaft Meshrabpom Verhandlungen mit Piscator über ein Filmprojekt auf. Ein erster Kurzbesuch in Moskau findet im September 1930 statt; im April 1931 reist der mit einer Schuldsumme von nahezu 100.000 Mark hochbelastete Regisseur für mehrere Monate in die Sowjetunion (1931-36) und beginnt dort mit der Produktion des Spielfilms Der Aufstand der Fischer nach einer Novelle von Anna Seghers. Nach etlichen Verzögerungen erlebt der Film seine Premiere im Oktober 1934. Während seiner Jahre in Rußland entwickelt Piscator zahlreiche weitere, unrealisierte Projekte (deutschsprachiges Exilantentheater in Engels; weitere Filmdrehbücher 1935/36). 1934 wird er zum Präsidenten des wenige Jahre später aufgelösten Internationalen Revolutionären Theaterbundes (IRTB) ernannt. In Abwesenheit wird Piscator von den NS-Machthabern ausgebürgert und seine Berliner Wohnung konfisziert.

 

Michail Wekslers Filmplakat (1934) (s. G. Agde, A. Schwarz (Hrsg.): Die rote Traumfabrik. Berlin 2012)

 

 

Dramatic Workshop (New School for Social Research, New York,
Studio Theatre, President Theatre, Rooftop Theatre/People's Theatre (auch Broadway); ab 1949 selbständig als "Dramatic Workshop and Technical Institute")

Nach der Emigration von Frankreich aus in die Vereinigten Staaten zum Jahreswechsel 1938/39 gründet er an der New Yorker New School for Social Research eine Theaterschule, den Dramatic Workshop. In den amerikanischen Jahren ist Piscator nachweislich an 36 Produktionen mit seinen Studenten als Regisseur oder Supervisor eng beteiligt. Am Dramatic Workshop werden zwischen 1940 und 1951 insgesamt weit über 200 szenische Lesungen bzw. Inszenierungen von Kurzfassungen oder kompletten Stücken durchgeführt. Regie führt Piscator (bzw. hat großen Anteil an dieser) bei folgenden Produktionen: 

 

1940

George B. Shaw, Saint Joan (Belasco Theater Washington, 10.3.1940)
William Shakespeare, King Lear (Studio Theatre, 14.12.1940)

1942

Lew N. Tolstoj, War and Peace (Studio Theatre, 20.5.1942)

1943

Walter Mehring: The Golden Doors (Madison Square Garden, N.Y.)

1944

Irving Kaye Davis, Last Stop (Ethel Barrymore Theatre, Broadway, 4.9.1944)

1945

Sammy Gronemann, Solomon the King and Shalmai the Cobbler (Masters Institute)

1946

Saul Tschernichowski, Bar Kochba (Times Hall, 9.6.1946)

1947

Jean-Paul Sartre, The Flies (Piscator als Supervisor, President Theatre, 17.4.1947)
William Shakespeare, Twelfth Night (Placid Manor, Lake Placid, N.Y., 10.8.1947)

1948

Robert Penn Warren, All the King's Men (President Theatre, 17.1.1948)
Ferdinand Bruckner, Chaff (Piscator als Supervisor, President Theatre, 17.3.1948)

1949

Wolfgang Borchert, Outside the door (President Theatre, 1.3.1949)
Geza Herczeg/ Heinz Herald, The burning bush (President Theatre, 16.12.1949)

1950

John F. Matthews (nach Kafkas Der Prozeß), The Scapegoat (President Theatre, 19.4.1950)

1951

William Shakespeare, Macbeth (28.2.1951)

 

Programmhefte der Bühnen des New Yorker "Dramatic Workshop" (1940-1951, in Auswahl)

 

Gastregie in der Bundesrepublik

In den späten Jahren als Gastregisseur in der Bundesrepublik ab 1951 arbeitet Piscator an fast dreißig verschiedenen Bühnen und ist gezwungen, seine erfolgreichen Inszenierungen an wechselnden Häusern zu wiederholen. Am häufigsten ist er bis 1962 in Essen, Tübingen und Mannheim tätig. Arthur Millers Hexenjagd und seine Adaption von Tolstois Krieg und Frieden inszeniert er zwischen 1954 und 1958 jeweils fünf Mal. 

 

 

Fritz Hochwälder, Virginia (Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 4.12.1951)

1952

Diverse, Des Menschen Grundgesetz (Hamburger Kammerspiele)
Gotthold E. Lessing, Nathan der Weise (Schauspielhaus Marburg, 14.5.1952)
Peter Ustinov, Die Liebe der vier Obersten (Schauspielhaus Zürich, 11.9.1952)
Georg Büchner, Leonce und Lena (Stadttheater Gießen, 27.10.1952)
Georg Büchner, Dantons Tod (Schauspielhaus Marburg, 2.11.1952)

1953

George B. Shaw, Androklus und der Löwe (Komödie Den Haag, 1.3.1953)
Fritz Hochwälder, Das heilige Experiment (Komödie Den Haag, 14.2.1953)
Ilse Langner, Heimkehr (Westdeutscher Rundfunk, 16.2.1953)
William Shakespeare, Macbeth (Staatstheater Oldenburg, 1.9.1953)
Jean Paul Sartre, Im Räderwerk (Städtische Bühnen Frankfurt, 27.9.1953)

1954

George B. Shaw, Caesar und Cleopatra (Komödie Den Haag, 15.6.1954)
Arthur Miller, Hexenjagd (Nationaltheater Mannheim, 20.9.1954)
Arthur Miller, Hexenjagd (Landestheater Württemberg-Hohenzollern, 12.11.1954)

1955 Arthur Miller, Hexenjagd (Volkstheater Göteborg, 8.2.1955)
Lew N. Tolstoj, Krieg und Frieden (Schiller-Theater Berlin, 20.3.1955)
Arthur Miller, Hexenjagd (Schauspiel Marburg, 20.4.1955)
Jean Paul Sartre, Im Räderwerk (Landestheater Württemberg-Hohenzollern, 15.6.1955)
Lew N. Tolstoj, Krieg und Frieden (Landestheater Darmstadt, 19.9.1955)
William Faulkner, Requiem für eine Nonne (Schloßpark Theater Berlin, 10.11.1955)
Paolo Levi, Der Fall Pinedus (Nationaltheater Mannheim, 30.12.1955)
1956

Jean-Paul Sartre, Im Räderwerk (Hessischer Rundfunk, Fernsehen, 18.1.1956)
William Faulkner, Requiem für eine Nonne (Volkstheater Göteborg, 15.2.1956)
Georg Büchner, Dantons Tod (Schiller-Theater Berlin, 4.5.1956)
Lew N. Tolstoj, Krieg und Frieden (Landesbühne Württemberg-Hohenzollern 24.6.1956)
Lew N. Tolstoj, Krieg und Frieden (Krefeld-Mönchengladbach 21.11.1956)

1957

Friedrich Schiller, Die Räuber (Nationaltheater Mannheim, 13.1.1957)
Anton P. Tschechow, Der Bär, Der Heiratsantrag; Lew N. Tolstoi, Er ist an allem Schuld (Schloßpark-Theater Berlin, 16.5.1957)
Luigi Pirandello, Wie du mich willst (Landestheater Württemberg-Hohenzollern, 28.6.1957)
Lew N. Tolstoj, Krieg und Frieden (Uppsala, 25.10.1957)
August Strindberg, Totentanz I und II (Thalia-Theater Hamburg, 24.11.1957)

1958

Eugene O'Neill, Trauer muß Elektra tragen (Bühnen der Stadt Essen, 12.1.1958)
William Faulkner, Requiem für eine Nonne (Städtische Bühnen Essen, 26.4.1958)
Günter Weisenborn, Göttinger Kantate (Liederhalle Stuttgart, 18.5.1958)
Friedrich Schiller, Wilhelm Tell (Nationaltheater Mannheim, 7.6.1958)
Georg Kaiser, Gas I und II (Schauspielhaus Bochum, 28.9.1958)
Arthur Miller, Hexenjagd (Bühnen der Stadt Essen, 23.11.1958)
Georg Kaiser, Gas ( Hessischer Rundfunk, 24.11.1958)

1959

Friedrich Schiller, Die Räuber (Bühnen der Stadt Essen, 24.2.1959)
Georg Kaiser, Nebeneinander (Thalia-Theater Hamburg, 4.5.1959)
Max Frisch, Biedermann und die Brandstifter (National-Theater Mannheim, 22.5.1959)
Friedrich Schiller, Don Carlos (Kammerspiele München, 26.9.1959)
August Strindberg, Totentanz I und II (Bühnen der Stadt Essen, 21.11.1959)

1960

Bertolt Brecht, Mutter Courage und ihre Kinder (Staatstheater Kassel, 20.2.1960)
Jean Paul Sartre, Die Eingeschlossenen (Bühnen der Stadt Essen, 2.5.1960)
Boris Blacher, Rosamunde Floris (Städtische Oper Berlin, 21.9.1960)
Carl Sternheim, 1913 (Kammerspiele München, 17.11.1960)
Jean Paul Sartre, Die Eingeschlossenen (Schauspielhaus Marburg, 24.11.1960)

1961

Jean Anouilh, Becket oder die Ehre Gottes (Bühnen der Stadt Essen, 5.1.1961)
Jean Paul Sartre, Die Eingeschlossenen (Landestheater Württemberg-Hohenzollern, 9.2.1961)
Hanns H. Jahnn, Der staubige Regenbogen (Städtische Bühnen Frankfurt, 17.3.1961)
Carl Sternheim, 1913 (Städtische Bühnen Frankfurt, 13.9.1961)
Arthur Miller, Der Tod des Handlungsreisenden (Theater am Kurfürstendamm/Haus der Freien Volksbühne, 6.10.1961)
Carl Sternheim, 1913 (Bühnen der Stadt Essen, 29.10.1961)

1962

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche (Kammerspiele München, 15.2.1962)
Carl Sternheim, 1913 (Landestheater Württemberg-Hohenzollern, 17.2.1962)
Jean Genet, Der Balkon (Städtische Bühnen Frankfurt, 31.3.1962)

 


Freie Volksbühne Berlin (Theater am Kurfürstendamm, später Freie Volksbühne, Schaperstraße)

Im Februar 1962 wird Piscator zum Intendanten der West-Berliner Freien Volksbühne berufen. Sein erklärtes Ziel: die Uraufführung gesellschaftskritischer Stücke zu lancieren. Tatsächlich wird das von Piscator uraufgeführte Hochhuth-Drama Der Stellvertreter von den Besucherzahlen her zu seiner zweit-erfolgreichsten Inszenierung. Innerhalb zweier Spielzeiten wird sie über 250 Mal gezeigt; Hochhuths Erstling wird in zahlreichen Ländern gespielt.

 
 

Gerhart Hauptmann, Die Atriden-Tetralogie (Theater am Kurfürstendamm, 7.10.1962)
Jean Anouilh, Die Grotte (Theater am Kurfürstendamm, 16.12.1962)

1963

Rolf Hochhuth, Der Stellvertreter (Theater am Kurfürstendamm, 20.2.1963)
Romain Rolland, Robespierre (Eröffnung des neuen Hauses in der Schaperstraße, 1.5.1963)
Giuseppe Verdi/ F. Schiller, Die Räuber (Teatro Comunale Firenze, 18.6.1963)
Rolf Hochhuth, Der Stellvertreter (Hessischer Rundfunk, 21.10.1963)
William Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig (Freie Volksbühne, 1.12.1963)

1964

Jean-Paul Sartre, Der Teufel und der liebe Gott (Städtische Bühnen Frankfurt am Main, 21.5.1964)
Richard Strauss/Oscar Wilde, Salome (Teatro Comunale Firenze, 31.5.1964)
Herbert Asmodi, Mohrenwäsche (Freie Volksbühne, 18.6.1964)
Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer (Freie Volksbühne, 11.10.1964)
George B. Shaw, Androklus und der Löwe (Freie Volksbühne, 16.12.1964)

1965

Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer (Théâtre Royal du Parc Brüssel, 18.1.1965)
Gerhart Hauptmann, Fuhrmann Henschel (Freie Volksbühne, 1.4.1965)
Jean Paul Sartre, Nekrassow (Freie Volksbühne, 14.6.1965)
Peter Weiss, Die Ermittlung (Ring-Uraufführung; Freie Volksbühne, 19.10.1965)

1966

Hans Hellmut Kirst/Piscator, Aufstand der Offiziere (Freie Volksbühne. 2.3.1966)

 

Die Programmhefte der Freien Volksbühne Berlin unter Piscators Intendanz (1962 bis 1966) in chronologischer Reihenfolge samt Broschüre zur Eröffnung des Theaters in der Schaperstraße (1963)

 

Vgl. die Inszenierungsverzeichnisse:


- Erwin Piscator. Theater, Film, Politik. Ausgewählte Schriften. Hrsg. von Ludwig Hoffmann. Berlin [DDR]. Henschel 1980. S. 475-501.
- John Willett: Die Eröffnung des politischen Zeitalters auf dem Theater. Frankfurt a. M. 1982. S. 221-255.
- Maria Piscator, Jean-Michel Palmier. Piscator et le théâtre politique. Paris 1983. S. 209-212.
- Erwin Piscator. Eine Arbeitsbiographie in 2 Bänden. Hrsg. von Knut Boeser / Renata Vatková. Band 2 [...]. Berlin 1986. S. 304-310.